Erstes Fazit

Um mal damit anzu­fan­gen: Amy Sherman-Paladino kann es noch. AYITL hat­te ja doch eini­ge Mängel und war in eini­gen Punkten ent­täu­schend; gar kein Vergleich mit den ers­ten Staffeln der OS. Nun ist seit März die Pilotfolge von „Mrs. Maisel“ ver­füg­bar, und ich habe mir durch­aus Sorgen gemacht, wie sich die Serie denn ent­wi­ckelt – die Episoden 2 bis 8 sind nun seit zehn Tagen ver­öf­fent­licht. Und mei­ne Sorgen waren unbe­rech­tigt. 🙂

Das sehe wohl nicht nur ich so, des­halb die­ses ers­te Fazit. Auf amazon.de hat sich der Anteil der Fünf-Sterne-Bewertungen von 93 auf 95 Prozent ver­grö­ßert, und auf IMDB klet­ter­te „Maisel“ von 8,7/10 auf 9,0/10. Mit der ers­ten Staffel hat Amy gelie­fert!

Dabei ent­wi­ckelt sich die Serie ganz anders, als ich gedacht hat­te. Viel lang­sa­mer, als ich erwar­tet hat­te, und auch weni­ger grad­li­nig. Es ist bekannt, dass Midge am Ende der Serie als gefei­er­te Stand-up-Künstlerin auf Johnny Carsons Couch lan­den soll. Und davon ist sie noch weit, weit ent­fernt. Im Gegenteil, die ers­te Staffel brach­te meh­re­re schwe­re Rückschläge, damit hat­te ich irgend­wie gar nicht gerech­net. Und auch die Sache mit Joel scheint noch kei­nes­wegs aus­ge­stan­den, so neben­bei.

Nun mer­ke ich aber – die­ses lang­sa­me Tempo im Voranschreiten der Handlung (bei um so höhe­rer Sprechgeschwindigkeit) ken­ne ich ja eigent­lich. Wie vie­le Staffeln lagen zwi­schen dem ers­ten Chilton-Tag und dem Abschluss in Yale?

Ansonsten ist die Serie wie erhofft: Eine tol­le Hauptdarstellerin, mit der man gut mit­füh­len kann, eine Reihe groß­ar­ti­ger Darsteller drum her­um, schnel­le Dialoge, sehr vie­le sehr wit­zi­ge Stellen, wun­der­ba­re und sehr atmo­sphä­ri­sche Bilder, an denen man sich nicht satt sehen kann, ein schö­ner Soundtrack (Sam Philips) und eine Handlung, die in die Zeit passt und sich doch auch sehr gut auf die heu­ti­ge Zeit bezie­hen lässt.

Es ist kein Wunder, dass in so vie­len Kritiken eta­blier­ter Medien genau­so wie in zahl­rei­chen Tweets gera­de­zu drän­gend gera­ten wird:
Schaut Euch die Serie an, Leute! Ihr ver­passt sonst was!

Die zwei­te Staffel ist ja eigent­lich beschlos­se­ne Sache. Ganz sicher bin ich nicht, denn wenn Amazon mit der Rezeption der Staffel Eins unzu­frie­den ist, haben sie bestimmt eine Möglichkeit, aus dem seit April unter­schrie­be­nen Vertrag für Staffel Zwei doch noch aus­zu­stei­gen. Den Titel der Serie wie auch die Werbung fin­de ich näm­lich nicht so ganz glück­lich. Gerade mit Namen tut sich Amy wohl manch­mal schwer (wäh­rend die Namen der ein­zel­nen Episoden wie­der Amylike und gelun­gen sind).

Es bleibt anzu­war­ten, ob sich „The Marvelous Mrs. Maisel“ viel­leicht im Laufe der Monate lang­sam einen Fankreis auf­bau­en kann. „Gilmore“ war ja wäh­rend der ers­ten sie­ben Jahre auch eine wenig bekann­te Serie außer­halb der direk­ten Zielgruppe und blieb unter dem Radar der all­ge­mei­nen Aufmerksamkeit – aber es gab da die­se treue Fangruppe, bis ab 2014 durch Netflix und zuletzt durch AYITL die Serie fast Mainstream wur­de.

Bis zu den Emmys sind es noch neun Monate. Ich könn­te mir vor­stel­len, dass Amazon dar­auf spe­ku­liert, wobei ich eine Schwierigkeit dar­in sehe, dass es Emmys nur für ent­we­der Drama oder Comedy gibt und „Mrs. Maisel“ eine Mischung ist. Das war wohl auch für „Gilmore“ damals eine Schwierigkeit.

Jedenfalls sind von denen, die sich „TM3“ ange­schaut haben, die weit­aus meis­ten Menschen nicht nur ein­fach irgend­wie „ange­tan“. Das macht mir Hoffnung. 🙂

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